Kultur im Hörfunk

Kultur Radio

Kultur zu genießen ist mehr als nur das Hören von Musik, das Lesen eines Buches oder Anschauen eines neuen Films. Kultur zu genießen bedeutet auch, mit anderen Menschen zu kommunizieren, sich der eigenen wie der Leistung eines Künstlers zu versichern, Debatten zu führen und Diskurse zu verfolgen. In einer Zeit, in der es medial oftmals nur noch um Einschaltquote geht, hat es wahre Kultur, die sich nicht ausschließlich dem Kommerz verpflichtet sieht, immer schwerer. Deshalb ist es gerade wohltuend zu wissen, dass einige öffentlich-rechtliche Sendeanstalten noch ein Kultur Radio betreiben, dass sich vor allem inhaltlicher Qualität und nicht in erster Linie den Werbeeinnahmen verpflichtet sieht.

Zu dieser Art Kultur Radio zählt mit dem Sender „Figaro“ auch ein Programm, das von einer der großen Sendeanstalten im Verbund der ARD betrieben wird: dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Obwohl der MDR oftmals für seine nostalgielastigen Sendungen und volksmusikdurchsetzten Formate belächelt wird, leistet er sich mit dieser Art Kultur Radio ein Programm, das nicht nur teuer in der Unterhaltung, sondern vor allem aufwendig in der Gestaltung ist. „Figaro“ als Vollprogramm des MDR greift sämtliche Themen auf, die auch im kulturellen Zusammenhang zur Debatte stehen: Da gehören die neueste Biografie über Karl-Theodor zu Guttenberg genauso dazu wie die Podiumsdiskussion über die neue Bedrohung der Demokratie durch den Rechtsterrorismus. Eda findet sich die Berichterstattung über den European Song Contest (ESC) ebenso wie die Übertragung eines Sinfoniekonzertes. Kultur Radio als Magazin-Radio der althergebrachten Art zu konzipieren und zu vermarkten, ist Konzept.

Dabei muss ein Kultur Radio wie „Figaro“ nicht automatisch als Dinosaurier unter den Radioprogrammen begriffen werden. Fast spielerisch schafft die Redaktion den Spagat zu den neuen Medien. Ob Podcast oder Chat, ob Internetpräsenz oder Livestream – auch wer das Programm nicht über den klassischen UKW-Empfang hören kann, hat weltweit die Chance auf eine Teilnahme via Internet. Zudem setzen die Redakteure auf einen engen Dialog mit ihren Hörern. Zu wissen, was die Fangemeinde tatsächlich interessiert, ist nicht nur Anspruch und Arbeitsinstrument. Es hat schließlich der ambitionierten Mannschaft über all die Jahre auch geholfen, zu bestehen. Immer nach dem Motto: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu.