Kulturelles Gedächtnis

Kulturelles Gedächtnis

Der Begriff "Kulturelles Gedächtnis" wurde von Jan und Alaida Assmann in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt. Er bezeichnet damit Traditionen, die die Wiederholung in Bild, Text und Ritus widerspiegelt. Sie prägt unser Geschichtsbewusstsein und unser Weltbild.

Ein kollektives oder kommunikatives Gedächtnis bezieht sich hierbei auf seit Genrationen begangene Feiern wie etwa die religiösen Feste. Wir denken hierbei besonders an das Weihnachts- und an das Osterfest, andere Religionen haben aber ähnliche Feiertage, an denen sie Feste feiern. Zudem bezieht sich das kollektive Gedächtnis auch auf Epochen oder Daten der neueren Vergangenheit. Die Jahreszahlen 1789 und 1848 werden im kollektiven Gedächtnis mit revolutionären Umstürzen in Verbindung gebracht. 1989 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Berliner Mauer fiel und sich somit die gesamte politische Situation verändert wurde, der kalte Krieg zum Erliegen kam. Am 11.09.2001 denkt man an die terroristischen Anschläge in den USA.

Somit dokumentiert ein kulturelles Gedächtnis das Selbstbild einer speziellen Gruppe über Generationen. Es wird über eine bestimmte Tradition wie Feste, Texte, Bilder und Lieder von Generation zu Generation weiter gegeben. Es dient auch dazu, dass sich die Menschen mit der eigenen Nation identifizieren. Es basiert auf geteilter Erfahrung und gemeinsamer Erinnerung. Das "Ich" wird dabei abhängig gemacht vom "wir", von der kollektiven Identität. Das ermöglicht einen Lebensentwurf, der sich an historischen, mythischen, religiösen oder philosophischen Vorbildern orientiert.

In der Kunst werden tradierte Themen immer wieder neu gestaltet. Das betrifft das Theater als moralische Anstalt, die uns unsere kulturellen Werte widerspiegelt. Es betrifft in besonderem Maße aber auch die Bildende Kunst, die tradierte Motive immer wieder neu deutet. Man denke dabei nur an die Kreuzigung Christi, an die Madonna mit Kind, an die Verkündigung, um nur einige Motive zu nennen. Durch das kulturelle Gedächtnis erreichen wir eine kulturelle Identität und damit die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe. Es bestimmt auch unsere Sitten und Gebräuche.